IPO Night 2026: TKMS, RWE und Neura Robotics ausgezeichnet

Frankfurt am Main (ots) –

Auf der IPO Night in Frankfurt würdigte Europas Hochfinanz herausragende Erfolge am Kapitalmarkt – und einen Eintrag in die Geschichtsbücher.

Wenn Unternehmen den Schritt an die Börse wagen, ihre Eigenkapitalbasis stärken oder mit privaten Investoren ambitionierte Wachstumspläne finanzieren, stellen sie die Weichen für ihre Zukunft. Welche weitreichenden Erfolge dabei möglich sind, zeigte die vierte IPO Night im Frankfurter Städel Museum. Die von der WEIMER MEDIA GROUP in Kooperation mit der Deutschen Börse Group veranstaltete Preisverleihung zeichnete diesmal TKMS, RWE und Neura Robotics für ihre herausragende Leistungen am Kapitalmarkt aus.

TKMS gelingt fulminanter Börsenstart

TKMS gewann in der Kategorie „Herausragender Börsengang“. Der Anbieter maritimer Verteidigungslösungen war im Oktober 2025 durch die Abspaltung vom Mutterkonzern Thyssenkrupp eigenständig an die Frankfurter Börse gegangen. Der Börsenstart geriet spektakulär: Die Aktie, die zu 60 Euro ausgegeben worden war, stieg am ersten Handelstag zeitweise auf 107 Euro. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der die Laudatio hielt, erinnerte daran, dass die Sicherungssysteme der Börse angesichts des rasanten Kursanstiegs mehrfach hätten eingreifen müssen. TKMS profitiert als Spezialist für konventionelle U-Boote, Überwasserschiffe sowie maritime Software- und Elektroniksysteme vom weltweit steigenden Bedarf an Verteidigungstechnik. Mit Kanada hat das Unternehmen den bislang größten U-Boot-Auftrag seiner Geschichte vereinbart. CEO Oliver Burkhardt nahm den Preis persönlich entgegen. Er sei froh, mit seinem Team hier stehen zu dürfen, sagte er. Zugleich erinnerte er daran, dass Unternehmen wie TKMS früher mitunter mit einem zweifelhaften Ruf zu kämpfen hatten und sich Vorbehalten ausgesetzt sahen. Das Unternehmen habe stets zeigen wollen, dass es seriös arbeitet. Man trage eine große Verantwortung für dieses Land, sagte Burkhardt, und stelle Dinge her, die dazu beitrügen, die freiheitliche Ordnung zu sichern. „Wir wollten immer beweisen, dass wir […] ehrliche Kaufleute [sind], die in einer hohen Verantwortung für dieses Land Dinge herstellen, dass unser aller freiheitliches System weiter haltbar ist.“

RWE setzt Maßstäbe bei der Eigenkapitalfinanzierung

Den Award für die „Herausragende Eigenkapitalfinanzierung“ erhielt RWE. Der Essener Energiekonzern hatte im Juni 2026 eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von rund vier Milliarden Euro umgesetzt – die größte Transaktion ihrer Art im Rahmen eines sogenannten Accelerated Bookbuildings in Deutschland. J.P. Morgan Deutschland-Chef Alexander Mayer würdigte den Erfolg in seiner Laudatio als eindrucksvolle Widerlegung der These, der deutsche Kapitalmarkt sei zu klein, zu langsam oder zu vorsichtig. Die deutliche Überzeichnung des Angebots sei kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit an der Glaubwürdigkeit des Unternehmens. „Sie haben nicht nur Kapital aufgenommen, sie haben Maßstäbe gesetzt“, sagte Mayer. Gunhild Grieve, CFO von RWE Offshore Wind, nahm die Auszeichnung entgegen. Mit dem frischen Kapital konnte RWE seine Strategie stärken und die Mehrheit am Übertragungsnetzbetreiber Amprion übernehmen. Neben dem Ausbau der Windkraft investiert der Konzern damit verstärkt in die Netze, die den erzeugten Strom dorthin transportieren, wo er gebraucht wird. Grieve freute sich, dass die Transaktion auf der IPO Night gewürdigt wurde: „Die Auszeichnung zeige doch einfach, dass Kapitalmarkt auch Spaß machen kann.“

Neura Robotics: Milliarden für intelligente Robotik

In der Kategorie „Herausragende private Finanzierungsrunde“ wurde Neura Robotics ausgezeichnet. Das 2019 gegründete Unternehmen aus Metzingen entwickelt kognitive Roboter, die sehen, hören, fühlen und lernen können. Im Juni 2026 sammelte das Startup in einer Serie-C-Finanzierungsrunde rund 1,2 Milliarden Euro ein, unter anderem von Amazon, Nvidia und Qualcomm. Hinzu kommt ein Auftragsbestand von rund einer Milliarde Euro. Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands, lobte in ihrer Laudatio die außergewöhnliche Substanz des Unternehmens: „Lange hieß es, solche Unternehmen entstehen nur im Silicon Valley. Ihr seid der Beweis, dass wir das auch auf der schwäbischen Alb können.“ Jens Fabrowsky, COO von Neura Robotics, nahm den Preis stellvertretend für Gründer David Reger und das gesamte Team entgegen. Der Erfolg zeige, „dass sich auch in Europa Deep Tech in dieser Größenordnung finanzieren lässt“. Wenn Kapital, Industrie und Technologie zusammenkämen, entstünden auch in Deutschland „die Champions von morgen“. Auf die Frage nach einem möglichen Börsengang ließ Fabrowsky die Tür offen: Er habe „schon die Hoffnung, noch einmal hier stehen zu dürfen“.

Deutsche Börse wirbt für den Kapitalmarktstandort

Neben den Preisträgern standen auch die Perspektiven des deutschen Kapitalmarkts im Fokus. Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner warb angesichts des von Kanzler Merz angestoßenen Investitionsgipfels in Berlin für die Chancen des heimischen Marktes. Globale Investoren könne man nur einladen, im kommenden Jahr zur IPO Night zu kommen, denn „hier gibt es auf jeden Fall Top-Investitionsmöglichkeiten aus Deutschland“. Die Verlegerin der WEIMER MEDIA GROUP, Christiane Goetz-Weimer, bezeichnete die Veranstaltung als einen Fixpunkt für all jene, „die Kapital bewegen und mit diesem Kapital Zukunft bauen“.

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